moebel verkauft und rosa rosen

2008 Juni 14

heute werden die moebel abgeholt, mein schlafzimmer-set sowie couchgarnitur gehen an meine freundin marsha. es geht mir uebel, ich bin sehr traurig! als ihr mann mit 3 helfern ins haus kommt und fragt, wo er anfangen soll, kullern mir die traenen.

warum heule ich, wenn es doch nur materialistische dinge sind, die es kaum lohnt zu verschiffen und die wir statt dessen verkaufen -  an freunde, die sich ab jetzt an diesen gut erhaltenen, sehr schoenen moebelstuecken erfreuen und diese sicher auch in ehren halten werden??

endgueltig ist es nun, jeden tag rueckt der abflugstag ein stueckchen naeher. ich bin lange ueber die eigene coolheit entsetzt gewesen, habe systematisch geplant, ueberall hanegen listen, was zu tun ist und was wohin muss, was erledigt werden muss und wie die finanzen geregelt werden. ich sollte gluecklich sein, bald ist es soweit, denn…

sehr lange habe ich zeit damit verbracht, meinen mann davon zu ueberzeugen, dass er sein verpsrechen einhaelt, wir arbeit in deutschland suchen und zurueckkehren – in meine heimat – wo alles begann. an den ort wo familie und zusammen feste feiern keine fremdworte sind. jeder mensch wuenscht sich sicherheit, jeder wuenscht sich ein wohlbehuetetes, glueckliches zuhause und es gibt viele menschen, die uns beneidet haben:

wir machten urlaub in der karibik, lebten in einem wunderschoenen reihenhaus mit garten und grosser terasse, ideal zum feiern und grillen, wir haben 2 gesunde kinder, wir haben jobs und und fahren lexus, wir erkunden die u.s.a. in regelmaessigen road-trips, wir lieben und wir streiten mit “passion” und sind – “overall” eine liebenswerte power-family.

wo ist das problem?

ich hoffe, in den folgenden monaten schaffe ich es, dies ein wenig besser zu beleuchten, fuer mich und fuer leser dieses blogs.  manchmal truegt der schein, erfolg, geld und status allein machen nicht gluecklich und was aussenstehende beobachten ist nicht immer die ganze wahrheit.

ich ringe mit mir, sachlich zu schreiben, nicht unfair zu sein, nicht undankbar zu sein und mit mir selbst nicht zu hart zu urteilen. aber ich moechte doch irgendwie meinen beitrag dazu leisten, dass es anderen frauen, die in ein fremdes land auswandern, sich anpassen und “selbstlos lieben” – nicht das gleiche schicksal widerfaehrt.

um seinen partner in seiner karriere zu unterstuetzen, muss man nicht erst ganz in ein anderes land auswandern, wir frauen sind sehr oft die macher im hintergrund, die manager einer familie, die cheerleader unserer maenner. traurig ist es, wenn es einem nicht gedankt wird, wenn man seinen eigenen wert nicht erkennt, den eigenen zeitpunkt nicht erkennt, seine eigene karriere brach liegt oder man gar staendig steine in den weg gelegt bekommt – und man selbst nicht die unterstuetzung bekommt, die man anderen staendig gegeben hat, ohne wenn und aber. und dann die erkenntnis, worauf warte ich, warum sollen andere fuer mich das leisten, was ich viel besser aus eigener kraft erreichen kann?

die notbremse anzuziehen, revolte starten, fuer liebe und familie grosse veraenderungen zu schaffen ist nicht leicht. nicht gegeneinader sondern miteinander, als team arbeiten, zusammen stark sein, auch in zeiten des umbruchs und der veraenderung, zu wirtschaftlich oder politisch schlechteren zeiten stark sein – nicht imemr so leicht, wie man annehmen sollte, liebe allein heilt nicht alle wunden. nicht laenger nur geld, wertgueter horden und fuer status und finanzielle abhaengigkeit kaempfen sondern fuer ein besseres familienleben, selbstwertgefuehl, miteinander und liebe kaempfen… das muss sich ja lesen als sei ich ein hippie? es ist schwer, in einer schnellebeigen, materialistisch denkenden und funktionierenden gesellschaft mensch zu bleiben.

in dem oberflaechlichen leben der usa sind die menschen, die wir einmal waren, auf der strecke geblieben, wahre freunde gibt es wenige. das sieht man daran, wie derzeitige reaktionen auf unseren umzug sind, hilfe beim umzug erwarte ich garnicht erst mehr. ich gehe zu oft davon aus, dass andere menschen so denken wie ich, aber ich bin wohl ein sensibler ausnahmefall, eine hobbypsychologin die per telefon und email stets fuer andere da ist. ich bin eine gute freundin, ein ehrlicher mensch mit festen prinzipien und manchmal altbackenen wertvorstellungen. zu oft habe ich mir selbst im weg gestanden und mir nicht den wert gegeben, den ich verdiene. und wenn jetzt bestimmte menschen anrufen, mich wie eine zecke seelisch aussaugen – ohne etwas zurueckzugeben – sage ich

“rufen sie meine 0190er nummer an, so verdiene ich wenigstens etwas an ihrem drama” – hart, aber wahr. ich habe keine lust mehr auf falsche fufziger, auf oberflaechliche, flasche freunde und den kampf der amerikaner, immer besser zu sein als der nachbar, der sich versucht mit dem neuesten auto, dem tollsten haus und dicksten fernseher zu profilieren. in deutschland wird es auch nicht viel anders sein, aber der neue bekannten- und familienkreis wird sehr exklusiv, einige baende, sogenannte freundschaften werden sich sicherlich auch ohne mein zutun in luft aufloesen, gott gehab sich ihrer!

endlich geht es zurueck in die heimat, aber auch ins ungewisse, weltuntergangsstimmung und negative prognosen fuer einen neustart in bremerhaven bekomme ich viele – doch weiss ich dass ich immer wieder, so wie zuvor als ich vor 11 jahren in die usa gezogen bin – das erreiche, was ich mir vornehme – meinem mann geht es aehnlich – aber ob wir es weiterhin gemeinsam schaffen, ein sogenanntes power-couple zu sein? den beweis, dass ich nicht an materiellen dingen haenge, da ich an mich selbst sowie meine familie glaube, liefere ich derzeit. das quentchen zweifel, dass ich nun habe, will sich mit gewalt permanent einnisten in meinen gedanken aber das lasse ich nicht zu!

und wenn sie mein zuhause ausgeraeumt haben und ich staub gesaugt sowie den teppich gereinigt habe, werde ich vor das haus gehen und den rosa rosenstrauch herunterschneiden und duengen, ein letztes mal.

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